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Ein Brief von Joseph Göddeke (*3.8.1850 in Beisinghausen) an Familie Joseph Bergob. Er war verheiratet mit Elisabeth Mues (*30.12.1863 in Reiste).
Detroit, Michigan, Dezember 1st 1921
Herrn Joseph Bergob u. Familie! Meine Lieben in der alten Heimath! Wo meine Altersgenossen schon fast alle daß Zeitliche gesegnet haben, bist du und deine Söhne beinahe die einzigen, von welchen ich ein Lebenszeichen aus der lieben alten Heimath erwarten kann, hätte deinem Sohne Anton schon früher auf dessen schönen Brief, welchen Er mir in deinem Namen geschrieben, antworten sollen, aber solches wird öfters auf die lange Bank geschoben und vergessen. Erhielt am 17ten November eine Postkarte von Eurem Hochw. Herrn Pastor Wm. Honigmann, welche mir daß Absterben meines Freundes Johannes Schulte, sowie mir den Tod meines andern Freundes A. J. Schulte aus Bremke, welcher von hier am 28th Mai, die Reise nach dort antrat, meldete. A. J. Schulte war ein sehr kranker Mann wo derselbe von hier abreiste, hatte sehr wenig hoffnung, daß Er sich wieder völlig erholen würde, aber so schnell hatte ich seinen Tod nicht erwartet. Seitdem Frau Mues krank ist höre ich sehr wenig mehr von dort, Johannes Mues scheint auch schreibfaul zu werden. Franz Kracht mein Nachbar dahier trat anfangs August eine Besuchs Reise von hier nach dort an, gebürtig aus Cobbenrode, hat sich dort Elf Wochen aufgehalten, hat eine zwei wöchentliche rund Reise durchs Rheinland, Baden, Würtenberg und Baiern gemacht, langte hier wieder am 21st November an, derselbe erzählte mir ganz wunderliche Begebenheiten, in dem von den Schwarzen Franzosen besetzten Gebieten, auch wir lasen in unseren katholischen Zeitungen die Schandtaten der Schwarzen Französischen Soldaten, in der gewöhnlichen Tagespresse dahier, wird nichts von den Schwarzen Französischen Ungeheuern gemeldet, unsere in Englisch gedruckte Tagespresse, ist jetzt noch immer den Franzosen und Engländern freundlich. Die Einflußreichsten, English gedruckten Tageszeitungen waren zu Anfang des Krieges 1914 von den Engländern Aufgekauft, Achthundert Millionen Dollars hat England an 250 dieser Zeitungen bezahlt, und dieselben schrieben was England diktierte, die ärgsten Greueltaten wurden den deutschen Soldaten zu Schulde gelegt, sie wurden Barbaren, Hunnen, Boches und Horden geschimpft. Die Engländer, Franzosen u. Belgier dagegen als Edele, unschuldige Menschen, den der Krieg aufgezwungen war, dargestellt, daß dumme Amerikanische Volk, glaubte den Lügen, welche Ihm aufgetischt wurden, somit wurde unser President, dessen Großvater ein Engländer war, für den Krieg gewonnen, unser Congress u. Senat deren Vorfahren auch Engländer waren, stimmten für den Krieg, da ging er los, damals schien es, als wenn Amerika ein großes Narrenhaus geworden wäre, selbst von deutschen Eltern, geborene Amerikaner, glaubten den Englischen Lügen, daß die Deutschen ein Barbaren Volk sei, folgedessen wurde das Deutschthum hier verhaßt, in einigen Städten wurde sogar die deutsche Sprache verboten, ich bin seit neun Jahren President deß größten deutsch katholischen Kranken u, Sterbeunterstützungsvereins, von 400 Mitgliedern, in unseren Versammlungen wird theilweise deutsch u. Englisch gesprochen, in der vorgenannten deutsch verhaßten periode, habe ich in jeder Versammlung nur blos deutsch gesprochen, habe auch nicht unterlassen die Engländer u. Franzosen als Lügen Völker hinzustellen, öfters wurde mir mit Verhaftung gedroht, die Geheimpolizei war auf der Wacht, furcht habe ich nicht gekannt, habe überall, mehr deutsch gesprochen, wie ich sonst gewöhnlich gethan habe, gegenwärtig hat es sich nun heraus gestellt, daß der Engländer die Amerikaner belogen und betrogen hat, auch Amerika leidet gegenwärtig an den Folgen daß es sich an dem Krieg betheiligt hat, eine große Geschäfts Flaue ist hier seit 16 Monaten eingetreten, hier [in] unserer Stadt allein, sind tausende von Arbeitern beschäftigungslos, in ganz Amerika wurden die Beschäftigungslosen auf sechs Millionen geschätzt. Der frühere President Wilson wird öffentlich verpflucht und Verwünscht. Ich denke jetzt habe ich dir genug von Amerikanischem Humbug erzählt und will für diesmal schließen, in der Hoffnung daß du und deine Familie sich alle wohl befinden, auch in unserer Familie befindet sich Gott sei Dank alles Wohl. Die herzlichsten Grüße von uns allen, besonders von meiner lieben Frau u. mirselbst. Joseph Goeddeke
[Am Rand der ersten Briefseite gibt es noch drei nachträglich geschriebene Zeilen:] Wie mir von dort berichtet wurde ist dein Sohn Anton Vorsteher der Gemeinde Reiste, ich gratuliere, ferner ersuche ich den Herrn Vorsteher mir im nächsten Briefe, einige Neuigkeiten aus der Gemeinde mitzutheilen, ist Johann Engelhardt Nichtinghausen noch lebendig? Herzliche Grüße an den Vorsteher Anton Bergob. J.G. |